Arbeitsplan

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Das Jahresthema 2026/2027 lautet

Humanität und Humanismus:
Freimaurerei als philosophische Lebenspraxis

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Die in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts als Institution organisierte Großlogenmaurerei zeichnet sich nicht durch eine systematische Zielsetzung oder eine festumrissene (etwa politische oder philosophisch-wissenschaftliche) Programmatik aus. Dementsprechend bieten die vielschichtigen sinnstiftenden Inhalte der freimaurerischen Symbolik und der masonischen Ritualistik breite hermeneutische Freiräume, die mitunter auch gewollt sind und einem anmaßend-dogmatischen Ansatz vorbeugen. Obschon im 18. Jahrhundert wie auch heute in etlichen Zusammenhängen eine beklagenswerte Oberflächlichkeit und Willkür festgestellt werden muss, ist die Freimaurerei damit aber nicht beliebig. Aus ideen- und sozialgeschichtlicher Perspektive ist sie vielmehr bekanntermaßen dem szientifischen Rationalismus und den säkularen ethischen Normen der Aufklärungsphilosophie verpflichtet. Letztere bilden die Grundlagen für ein freiheitliches und pazifistisches Weltbild, welches sich bewusst gegen die der menschlichen Entwicklung hinderlichen Anmaßungen autoritärer (und etwa absolutistisch geprägter) Staatswesen oder der Religion wendet; die zentralen Denker der Aufklärung waren bezeichnenderweise nicht selten auch maßgebliche Akteure in freimaurerischen Gesellschaftszusammenhängen.  

Ein systematischer und programmatischer Grundbegriff sowohl der Aufklärung als auch der Freimaurerei ist die Humanität. Für Denker wie Diderot oder d’Holbach definiert sich die Humanität ganz konkret über die universale und kulturübergreifende moralische Richtschnur der Menschenliebe, dem grundsätzlichen Wohlwollen gegenüber wirklich allen Menschen, unabhängig von Herkunft, Stand oder Bekenntnis, die wiederum mit dem Glauben an die Einheit der Menschheit und der Zukunftsvorstellung der weltumfassenden Friedensgemeinschaft der Menschen (versinnbildlicht durch den „Bau am salomonischen Tempel/den Bau am „Tempel der Humanität“ oder die „Bruderkette“) auf das Engste verknüpft ist. Ganz bewusst wird mithin im Aufklärungsdenken auch vielfach die Unvereinbarkeit einer humanitären Sozialethik und der Zielsetzung einer allgemeinen Menschengemeinschaft mit den Ausformungen einer negativen philosophischen Anthropologie – wie Rassismus, Fremdenhass, Nationaldünkel, soziale Ungerechtigkeit oder Despotismus und die Unterdrückung der Schwächeren – kämpferisch hervorgehoben. In jüngerer Zeit hat sich daher auch der Begriff der „humanitären Freimaurerei“ herausgebildet. Die Freimaurerei lässt sich folglich als eine Form der Lebenspraxis charakterisieren, die sich aus den philosophischen Ideen der Aufklärung entwickelt hat.  

Auf geistesgeschichtlicher und begriffsgeschichtlicher Ebene bestehen hier unschwer erkennbar auch Überschneidungen mit den Bildungsidealen der Renaissance und des Humanismus, der sich keineswegs auf das Erlernen alter Sprachen und die Untersuchung der Kulturen des Altertums reduzieren lässt. In der modernen Forschung und für Autoren wie Claude Lévi-Strauss bildet der Humanismus der Frühen Neuzeit vielmehr eine Vorstufe zur Ethnologie, die durch die Erforschung fremder (und meist auch geringgeschätzter Kulturen) zu einem neuen inklusiven Weltbild und zur wissenschaftlichen Erkenntnis der Einheit der Menschheit führt. Lévis-Strauss beschreibt dieses Ergebnis als „humanisme démocratique“; die Ethnologie zeigt für ihn als humanistische Wissenschaft, „dass dem „Menschen nichts Menschliches fremd sein kann“ („que rien d’humain ne saurait être étranger à l’homme“). Erich Fromm öffnet ähnliche Wege in der Sozialpsychologie.

Wir wollen in diesem Maurerjahr der Frage nachgehen, inwieweit sich die Normen, Bildungsideale und Geisteshaltung der Aufklärungsphilosophie sowie des ihr anverwandten Humanismus konkret in unserem Denken und Handeln sowie in unserem Wirken im Alltagsleben, in der Politik, in der Kunst und in der Wissenschaft umsetzen lassen – mit dem Ziel eines besseren Zusammenlebens und einer besseren Zukunft, in welcher Vernunft, Freiheit, ein gewaltfreies Zusammenleben sowie die Würde und das Glück des Menschen oder aber auch der Schutz unseres Ökosystems im Mittelpunkt stehen.

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